TAL-2: 6" f/8 Newton Set - zum Test und zur Beobachtung

21. 7. bis 24. 7. 1995, Mistelbach

Herr Rhemann von Astrostudio Kamera hat mir den TAL-2 zum Test angeboten. Ich sagte freudig zu, da ich gerade in Sky & Telescope einen Startest Artikel gefunden habe, und mich einmal dran versuchen wollte. Bei der Abholung habe ich nicht schlecht gestaunt. Eine grün gepinselte, lange Holzkiste, wohl mit Griffen dran, aber zu sperrig und schwer, 40 kg, dass man es allein bewältigen könnte. Zu zweit geht es locker. Beim Einladen in Wien waren wir ja zu zweit, daheim musste ich mir schnell Hilfe organisieren.

Ich hatte ja schon einen kurzen Blick in die Kiste, beim Abholen. Aber ja, jetzt war ich neugierig, die Sachen in die Hand zu nehmen und zu sehen, was noch alles in der Kiste zu finden wäre. Generell sei gesagt: Es ist ein 150/1200 Newton. Der 40mm Fangspiegel verursacht eine Obstruktion von 26,7%, das ist also eine photo-visuelle Auslegung. Die Beschreibung (englisch) verrät schon, dass es sich um einen sphärischen Hauptspiegel handelt. Nun, lesen wir nach in der Fachliteratur: es sollte sich ausgehen auf die gemeinhin als beugungsbegrenzte geltende lambda/4 Korrektur der sphärischen Aberration.

Alsdann, los geht's mit dem Aufbau. Zuerst die Säule raus, schon ein gewichtiges Trumm. Dann die drei Ausleger, die per Flügelmutter mit der Säule verbunden werden. Das schaut durchaus stabil und vertrauenserweckend aus. Nun die Montierung drauf setzen und fixieren, und die Polhöhe einstellen. Die Gegengewichtsstange einschrauben, die Rohrschellen montieren. Das Gegengewicht anbringen, den Tubus aus der Box nehmen und in die Rohrschellen einlegen. Noch den 8x50 Sucher montieren, alles balancieren, und das Teleskop steht fertig aufgebaut da. Es erinnert in der Bauweise sehr an die Meade DS-Serie Newton, die man z. B. in Sky & Telescope im Anzeigenteil immer wieder, wie die Orgelpfeifen aufgereiht, abgebildet findet. Also die Montierung von dieser Art, mit den dünnen Achsen, den langen Überhängen, dem Motor mit einem großen Schneckenrad am Südende der Montierung. Ein Trafo von 220V Netztspannung auf 12V Wechselstrom, ist noch dabei, zum Antrieb der Stundenachse. Egal was man anfasst, es wirkt alles solid, und schwer.

Die Montierung verfügt über Teilkreise in beiden Achsen. In Stunde haben wir Teilstriche im 10 Minuten Abstand, und in Dec liegen wir bei 2° Unterteilungen. Dazwischen muss man schätzen, es ist aber auch recht viel Platz zwischen den einzelnen Teilstrichen. An der Stundenachse finden wir eine Rutschkupplung. An der Dec Achse ebenso, es ist aber eher eine Bremse, die die ansonst frei drehende Achse auf ein passendes Maß abbremst. In beiden Achsen gibt es eine Feinbewegung. 

Schauen wir uns den Sucher nochmals an. Er hat eine Schwalbenschwanz Schnellkupplung. Zwei Ringe halten den Sucher. Das Okular ist fokussierbar. Der Sucher weist ein 7° Feld auf, und ist scharf. Statt Fadenkreuz haben wir in der Mitte einen Ring. Ok, man sieht damit seinen Stern, auf den man draufhält, ein Fadenkreuz verdeckt ihn, genau gesagt. Das Objektiv des Suchers ist vergütet, zumindest an der Frontlinse ist offensichtlich ein Coating vorhanden. Die Taukappe ist aufgesteckt, sitzt ein bisserl locker. Aber da das Teleskop ja in den Himmel schaut und nicht auf den Boden, sollte die Taukappe drauf bleiben und nicht abfallen wollen. Eine Staubschutzkappe für den Sucher gibt es nicht.

Wir haben im Set drei Okulare: zwei Kellner, 42 mm und 15 mm, und ein "Symmetrisches" (Plössl) mit 25 mm. Außerdem eine 4x Barlow Linse. Damit sind folgende Vergrößerungen möglich: 29x, 48x 80x, 116x, 192x, 320x. Was soll ich sagen, all diese Linsen der Okulare und der Barlow sehen unvergütet aus. 

Weiter im Set sind Farbfilter enthalten. Gelb, blau, rot, grün, grau (Mond) und schwarz (Sonne). Die Filter werden auf das Okular aufgesteckt. Sonne! Oh, ein Okularfilter! Aber, der Front-Staubdeckel des Teleskops hat eine kleine Öffnung für die Sonnenbeobachtung. Egal wie, man muss nicht so die Sonne beobachten. Es gibt auch einen Projektionsschirm, er wäre mit dem 25 mm Okular zu verwenden. Hm, ein bisserl macht mich das nachdenklich. Normal haben Plössl und Artverwandte zwei verkittete Linsenpärchen. Mit verkitteten Linsen sollte man keine Sonnenprojektion machen, das Okular würde durch die dabei entstehender Hitze zerstört. Sind die Pärchen beim "Symmetrischen" ohne Kitt gefügt, einfach so auf Kontakt? Der Hersteller sollt's wissen.

Was finden wir noch im Set? Putzfetzerl, Pinsel, Schraubenzieher. Alles zwar einfach, aber liebevoll verpackt. Die Glasfilter z.B. sorgfältig in Seidenpapier gewickelt, da und dort Filzeinlagen, eigene Holzkisterl drin, etc. Es wirkt, als hätte ein guter Onkel alles liebevoll und sorgfältig verpackt, dass ja alles gut ankommen möge. Ich war gerührt, irgendwie. Das Set, alles zusammen, 15000 österr. Schilling, nicht ganz billig. Aber: Vixen, z.B. nimmt für den 4.5" Newton auf der New-Polaris Montierung 10000 Schilling, da ist der 6" f/8 auf dieser stabilen Montierung und mit diesem Zubehör ein gutes Angebot. Schwer, ja, das fertig aufgebaute Teleskop wiegt 35 kg. Man kann aber alles zerlegen, und in handlicheren Einheiten auch transportieren. Wie man aber auf 12V Wechselstrom auf freiem Feld kommen soll? Ich frage mich, ob es wirklich Wechselstrom ist, aber so steht's auf dem Gehäuse drauf.

 

Eine erste Gelegenheit, mich mit diesem Teleskop in der Praxis auseinanderzusetzen, hatte ich gleich am 21. Juli. Es war ein stumpfer 4 mag Himmel, das Seeing war auch nicht wirklich gut. Was soll's, ich war neugierig, also nichts wie raus mit dem Ding, und durchspechteln. 

Gleich einmal eine Überraschung mit dem Fokussierer. Wir haben keine Klemmschraube für das Okular, es ist einfach ein Klemmring ohne Schraube vorhanden. Die Okulare werden rein gesteckt, sie können nicht gesichert werden. Herkömmliche 1.25" Okulare wackeln ein bisserl rum (das Aufnahmemaß ist für 32mm ausgelegt), und können nicht fokussiert werden. Da rede ich mal von meinen Baader Eudiascopic und herkömmlichen Plössl und Ortho. Man kann die Steckhülse abschrauben, man müsste für die gängigen Okulare eine etwa 25 mm kürzere Hülse fertigen, die dann vielleicht auch auf den Steckdurchmesser von 1.25" ausgelegt ist, mit Klemmschraube... Aber die mitgelieferten Okulare passen, können alle fokussiert werden. Das ist ja die Grundvoraussetzung. Die Kellner leiden an Reflexen, beim 25 mm Symmetric geht eine Distanzhülse für den richtigen Augenabstand ab. Aber insgesamt hat das 25 mm den besten Eindruck hinterlassen, das ist richtig fein in der Abbildungsleistung. Eigentlich ist mit all den mitgelieferten Okularen die Abbildung in Ordnung, mit und ohne Barlow, randscharf. Seitenlichtblenden könnten alle brauchen. Man muss schon mit beiden Händen störendes Licht abschirmen, um gut zu sehen. Überhaupt bei diesem stumpfen und aufgehellten Himmel.

Die Bewegung in der Rutschkupplung, die Feintriebe, alles etwas rauh im Lauf, so wie auch der Zahnstangen-Fokussierer. Den Fokussierer kann man weicher und härter einstellen. Man hält dazu den linken Drehknopf fest, und verdreht den rechten. Insgesamt, man kann damit arbeiten. Ich bin gleich mal auf einen hellen Stern voll drauf gegangen. Sauberes Beugungsscheibchen, der 1. Beugungsring etwas verstärkt, schon aufgrund der doch relativ hohen Obstruktion. Natürlich sind die Spider Spikes sichtbar. Intra- und extrafokal geschaut, waren die Ringe fast gleich. Der Hauptspiegel erwies sich als etwas dejustiert, das nahm ich gleich in Angriff, und justierte direkt am Stern nach. So passt's!

Nun zu den Beobachtungen. M57 war ok, ich bin bis 320x drauf gegangen, der hellere Stern neben den Ring war sichtbar. M27 bei 48x ein netter "Apfelbutzen". Epsilon Lyrae schon bei 116x getrennt, bei 192x gut getrennt, bei 320x könnte die Eisenbahn durch fahren. M13 war bei 116x ok, mehr ging nicht unter diesem stumpfen Himmel. Den Cirrus Nebel suchte ich vergeblich, wie komm ich nur auf die Idee, unter diesen Bedingungen danach schauen zu wollen... Gamma Andromedae bei 80x hübsch, getrennt, schöner Farbkontrast. Delta Cygni, bei 192x getrennt, aber ein bisserl unsicher, Seeing... M52 stumpf, gibt nicht viel her, detto h+X Persei. M31, M32, ja, NGC 205 habe ich gar nicht gesehen, mittlerweile war auch der Mond aufgegangen. Da geht nimmer viel. Saturn: ein Scheibchen ohne Ring bei 192x, durch einen "Strich" zweigeteilt, das ist der Ring von der Kante gesehen, besser gesagt: der Ring und sein Schatten. Das nördliche Wolkenband blickweise. Saturnmonde: Rhea, Titan - der direkt am Scheibchen dran pickte, und wahrscheinlich Thethys und Enceladus auf einem Packel, so dicht, dass sie nicht trennbar waren, aber dadurch heller. Mehr war nicht zu wollen. Ach ja, den Mond noch ins Visier nehmen: Stand noch sehr tief, schlechtes Seeing, aber sonst ok. Das war es mit den ersten Erfahrungen.

 

Eine weitere Gelegenheit zur Beobachtung bot sich am 23. Juli. Der Himmel war besser, nach Frontdurchzug, locker 5 mag, das Seeing dafür ziemlich unruhig. M57 bei 192x schön, auch noch bei 320x gut. Der 13 mag Stern dicht neben dem Ring war blickweise zu erkennen, seeingbedingt. M13 zeigte sich bei 192x schön aufgelöst, wirklich hübsch. M27 war bei 80x gut, bei 192x auch noch brauchbar, aber den Zentralstern schaffte ich nicht, zu unruhig. Cirrus Nebel: Ja, schon. Der "Feuervogel" eher nur zu erahnen, der Bogen im Osten war besser erkennbar, bei 48x, etwas leichter bei 29x. M52, sowie h+X bei 48x hübsch. M31, M32, und heute auch eindeutig NGC 205, bei 29x und 48x. M11 sehr schön bei 48x. Detto M71. An M15 konnte ich bei 192x die Randbereiche nicht auflösen. Seeingbedingt? Oder geht's einfach nicht? Genug für diesen Abend, es war schon weit nach Mitternacht...

 

Warum ich eigentlich für einen Test zugesagt habe? Wie gesagt, ich hatte vor nicht zu langer Zeit einen Artikel in Sky & Telescope gefunden, von einem Herrn H. R. Suiter, wo es über den Startest gegangen ist. Konkrekt, wie man die sphärische Aberration mit einem quasi-standardisierten Verfahren auf lambda/4 Korrektur prüfen kann, und sehen kann, ob die Optik grad so ist, besser oder schlechter. Also kein Mißverständnis, man kann keine lambda/zigstel Werte ablesen, nur eben auf lambda/4 testen, was gemeinhin als beugungsbegrenzt gilt. Der Artikel in S & T hat mich letztlich direkt zu dem Startest Buch des Autors gebracht. Ich hatte nun somit auch mehr Hintergrundwissen.

Gut vorbereitet startete ich am 24. Juli zum Test. Was hatte ich konkret vorbereitet? Erst einmal ein rundes Plättchen aus dünner Pappe, im Durchmesser so, dass es genau 33% des Hauptspiegeldurchmessers entspricht. Weiters hatte ich für den Drehknopf des Fokussieres eine Gradskala gebastelt, 10° Unterteilungen, und einen Zeiger, den ich fix am Fokussierer anbringen konnte. So wollte ich den Drehwinkel des Fokussiers ablesen können, zu einer besseren Kontrolle als schätzomativ sich was aus dem Daumen zu saugen.

Soweit, so gut. Wieder nur ein stumpfer 4 mag Himmel, das Seeing war nun aber besser. Teleskop raus. Mit Klebeband das 50 mm Scheibchen zentriert auf den Fangspiegelhalter kleben, meine Gradskala über den Drehkopf stülpen und fixieren, sowie den Zeiger anbringen. Als Vergrößerung zum Startest hatte ich 192x gewählt.

Es geht jetzt darum, im defokussierten Sternbild den Schatten des Fangspiegels in der Größe einzuschätzen, bei welcher Distanz zum Fokus der Schatten gleich groß erscheint. Für lambda/4 soll sich ein 1:2 Verhältnis ergeben. Gleich zu Beginn war ich bei einem Verhältnis von 1:1. Ich konnte zusehen, wie der Spiegel langsam austemperiert, sich der Fokus dabei immer weiter nach innen zieht. Und dabei wurde das Verhältnis für gleiche Schattengröße schon anders. Letztlich war ich bei dem 1:2 Verhältnis angekommen, und es blieb dort stabil. Ah, das stimmt mit der Literatur überein. Da hätten wir die Bestätigung, mit lambda/4 Unterkorrektur ist der Hauptspiegel sphärisch. Und dem Teleskop beim Austemperieren so intensiv zuzusehen, war hoch interessant, da habe ich gleich viel gelernt.

Jetzt doch noch ein bisserl beobachten: Saturn war heute besser, Ringschatten und nördliches Wolkenband, und drei Monde: Titan, Rhea und Dione.

Am Fokussierer habe ich entdeckt, dass ich da etwas umschrauben kann, und konnte so auf einmal meine Baader Eudiascopic und Zeiss Abbe Okulare fokussieren. Nicht zu fokussieren waren das 30 mm Eudiascopic, und auch mein 22 mm Panoptic. Ich bin wie ich bin, nachdem der Himmel auch ein bisserl besser geworden war, musste ich doch noch auf den Cirrus Nebel draufhalten, und das mit dem Panoptic. Das Panoptic musste ich mit der Hand im Fokus halten, aber: Whow!

 

Eine letzte Gelegenheit, mich mit dem TAL-2 auseinanderzusetzen, hatte ich am 24. Juli. Und dazu baute ich meinen 5.7" f/6 Maksutov-Newton daneben auf, um einen direkten Vergleich zu haben. Es gab wieder nur einen 4 mag Himmel, bei erneut relativ unruhigem Seeing. Da ich den TAL-2 schon früher raus gestellt hatte, war noch ein Blick auf Jupiter drin. 192x war zu viel des Guten. Besser bei 120x, mit meinem Baader Eudiascopic 10 mm. Das SEB war erkennbar, das NEB zweigeteilt. Nun zu den Vergleichsbeobachtungen. Delta Cygni: In besseren Seeing Momenten in beiden Teleskopen getrennt. Im TAL-2 bei 192x, im 5.7" Mak-Newton hatte ich 174x, mit einem 5 mm Masuyama Okular. M31, M32, NGC 205: Im 5.7" MN hatte ich bei 40x alle drei Galaxien, im TAL-2 bei 48x war NGC 205 schwierig. M15: im 5.7" war der Randbereich des Kugelhaufens bei 174x oder 214x aufzulösen, im TAL-2 bei 192x schwierig. M27: Den Zentralstern hatte ich sicher in meinem Teleskp, und auch einen zweiten Stern, beide indirekt, klar, wiederum bei 174x bzw. 214x. Im TAL-2 war der 2. Stern im Nebel leichter zu erwischen, blickweise schaffte ich auch den Zentralstern, bei 192x. M57, es geht um den 13 mag Stern direkt beim Ring: Im 5.7" MN indirekt sicher, im TAL-2 nur blickweise, Vergrößerungen wie gehabt. Cirrus Nebel: Ohne Filter, der Feuervogel in beiden Rohren nicht zu schaffen, den östlichen Bogen konnte ich im 5.7" erahnen (40x), im TAL-2 nicht (48x). Saturn: Im 5.7" MN war bei 214x fast ständig der Ringschatten zu sehen, in besseren Momenten beide Wolkenbänder, und drei Monde. Im TAL-2 hatte ich bei 192x den Ringschatten nur in besseren Momenten und erhaschte auch nur das nördliche Wolkenband. Zwei Monde sicher, der dritte war schwierig.

 

Für mich war der TAL-2 eine nette Abwechslung. Er hat doch recht tapfer hergehalten. Dass mein 5.7" MN in einer anderen Liga spielt, klar, war doch der optische Tubus allein mehr als doppelt so teuer als das ganze TAL-2 Set. Und lehrreich war die Sache allemal. Beim Startest weniger das Ergebnis, das irgendwie ja eh klar war, vielmehr, dass ich erstmals mich dran versucht habe und auch so weit gut vorangekommen bin. Was noch zu lernen war: Eine bessere Optik hält bei schlechterem Seeing die Performance noch besser, wo eine lambda/4 Optik schneller abkippt und nichts mehr her gibt. Ein schlechter Griff ist der TAL-2 sicher nicht, vor allem für jene, die daheim im Garten beobachten können. Viel durch die Gegend schleppen wollte ich das Ding nicht wirklich.

Howdii